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Die Niederung

Vom Ortskern des Dorfes Brechten ausgehend, bestimmt zunächst rund um die Kirche dichte Dorfkern-Bebauung das Bild. Daran anschließend befinden sich mit Hecken eingefaßte Streuobst-Wiesen rund um die umliegenden Hofstellen, bevor man, wenn man die Brechtener Straße in Richtung Lünen-Gahmen über-quert, die früheren „Brechtener Felder“, heute nennt man sie Brechtener Niede-rung“, erreicht.

Folgt man weiter der Wülferichstraße, so bietet sich auch hier das gleiche er-freuliche Bild: Hecken, Gehölzgruppen, sehenswerte Einzelbäumen, Obstbaum-Alleen (alte und neu angepflanzte); kleinere Feuchtgebiete und Tümpel prägen bereits seit Jahrhunderten das Landschaftsbild, nicht nur entlang des Süggelba-ches.

Hinter dem ehemaligen „Lohof“, ehemals Große-Herrenthey, jetzt Bender, be-ginnt das Ackerland. Die insgesamt ca. 250 ha große Fläche der „Brechtener Niederung“ teilen sich heute nicht weniger als 30 Eigentümer und wird von den meisten auch heute immer noch auf vielfältige Art landwirtschaftlich genutzt durch Ackerbau, Viehzucht und Gemüseanbau.

Die „Brechtener Niederung“, inzwischen als Landschaftsschutzgebiet ausgewie-sen, ernährt mindestens ein halbes Dutzend landwirtschaftliche Voll-Erwerbshöfe sowie eine Anzahl Nebenerwerbs-Stellen. Den Menschen, die hier leben und arbeiten, sichert sie deren Existenz, und umgekehrt sichern Landwirte und Nebenerwerbs-Stellen die Brechtener Niederung.

Und eben weil diese große Fläche so ursprünglich geblieben ist, wird sie heute von einem großen Teil der Bevölkerung im Dortmunder Norden als Naherho-lungsgebiet genutzt. Spaziergänger trifft man dort ebenso wie Radfahrer, Jogger, Hunde-Besitzer, Beerensammler und Jäger.

Den Dortmunder Stadtplanern jedoch hat dieses Landschaftsschutzgebiet in den letzten 20 Jahren bedauerlicherweise bereits schon zweimal als Übungsgebiet für unausgegorene Planspiele gedient, die aber Gott sei Dank nicht realisiert wurden.

Gleichwohl haben bereits diese untauglichen Versuche die Freude der Natur-schützer erheblich getrübt, die am renaturierten Süggelbach Eisvögel und andere gefiederte Sommergäste sichteten. Die Brechtener Niederung ist nämlich im zer-siedelten Dortmunder Nord-Osten eines der letzten Rückzugsgebiete für zahlrei-che Tierarten.

Viele von ihnen, so z. B. der Feldhase und das Rebhuhn, stehen auf der Roten Liste. Außerdem nutzen Wild-Gänse die dortigen Felder und Wiesen als Rast- und Weideplatz auf ihrem Weg zu den Sommer-/Winterquartieren.

Des weiteren ist die „Brechtener Niederung“ Frischluftlieferant für viele Be-wohnter der Stadt Lünen und sorgt an heißen Sommertagen für nächtliche Ab-kühlung in den umliegenden Siedlungen. So kommt man nicht umhin, dieses Gebiet auch heute noch als ein landschafts-geschichtliches Kleinod zu bezeich-nen. Den all‘ das, was heute so selbstverständlich aussieht, früher jedoch überall bei uns im Land genau in gleicher Weise zu finden war, ist heute zu einer echten Rarität geworden, die es zu schützen und zu erhalten gilt.

Außer Grevel, gibt es in Dortmund nur noch Brechten als Beispiel für traditio-nelle, bäuerliche Landschaft.

Nach einer durchaus kriegerischen Geschichte bis in die jüngste Vergangenheit ist die „Brechtener Niederung“ inzwischen zu einem äußerst beschaulichen und friedlichen Ort geworden und bliebe es mit Sicherheit auch weiterhin, weckte nicht ihre Grenzlage immer wieder Begehrlichkeiten bei den Städten Dortmund und Lünen für ein „Interkommunales Gewerbegebiet“, was es gilt, auch für die Zukunft zu verhindern.